Finisterre 2003 – 2010

Das Tryptichon, das ich für außerordentlich halte, mit dem merkwürdigen Titel „Hot spot Tropenwald“ führt das Zentralthema von Rot und Grün, von finis terrae als Vegetation, die nach oben über sie hinauswächst. Insofern steckt in den beiden Bildern etwas, was man ihnen nicht sogleich ansieht, und der Künstlerin auch nicht, vielleicht doch etwas Spirituelles, denn meistens ist es ja unfreiwillig da, und es braucht ein Leben lang, es zu integrieren. Zuerst ist es die Erde, die ein Hangrutsch freigelegt hat, man würde sie sonst nicht sehen, aber jetzt um den Preis des Grün, wird das Rot sichtbar, und die Bilder zeigen es – Alrun Prünster Soares leimt und fixiert, schüttet das Pigment darüber, die verschiedenen Erden, den roten Dschungelboden wie den hellen Sand vom Strand. Doch dann ist das Grün stärker, denn es ist schlichtweg die Kraft dieser roten Erde und überwächst und überwuchert diese wieder. Alrun Prünster Soares verstärkt diesen Gegensatzeffekt durch die nichtspiegelnde Mattheit der Dispersionsfarbe Vynil und der verschiedenen Mineralien bzw. Pigmente.

In der Collage „Yanomami“ tritt uns ein seltsames Vexierbild entgegen, eine entvölkerte, aufgeschüttete Halde und ein mit Plastik bedeckter Boden, alles wie in einer Kunsthalle in Kunstlicht getaucht und mit einem Terminal versehen. Schließlich wie Relikte einer anderen Zeit zwei Indianer, die das tun, was sie immer getan haben, nämlich Weiße bedrohen! Direkt mit ihren Giftpfeilen vor unserem Fenster! So geschieht ihnen denn Recht, wenn sie entwurzelt und heimatlos gemacht werden! Besser kann man wohl die brutale Logik der weißen Usurpation Amerikas und ihrer Feindbildprojektionen kaum darstellen.
Diese Collage auf Papyrus verkörpert all das, was ein Bild nicht sein sollte, nämlich eine verkehrte Projektion, eine erlogene Mediation der Welt, aber gerade dadurch hat diese Collage als Antibild, als Bild des Medienblicks eine ungeheure Stringenz, inhaltlich wie farbig……. Es handelt sich bei diesen Collagen der „finis terrae“ insgesamt um Kunstwerke, die nicht selber ausbrechen, sondern in die etwas einbricht, in denen etwas zurückgerufen wird – die Wiederkehr der vegetativen und sensitiven Seele der Natur.

Dr. Franz Fuchs
Philosoph und Galerist München 2010
Im Katalog zur Ausstellung “Finisterre”